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  • franziskaenglert

Phänomen (Un-)Sicherheit


gekentertes Schiff
Havarie Costa Concordia

Aus dem Unglück der „Costa Concordia“ lassen sich Lehren für die Unternehmenssicherheit und die Einschätzung des Managements zu sicherheitsrelevanten Themen ziehen.


Das knapp 300 Meter lange Schiff hatte sich auf früheren Fahrten bereits nahe entlang der Küste und des späteren Unfallorts bewegt.

Auf der selben Route wie an dem Tag als es verunglückte und auf ähnlich verlaufenden Touren. Teilweise fuhr es sogar noch näher an den Inseln entlang als am Tag der Havarie.


Das zeigt, dass eine oder auch mehrere als sicher erlebte Situationen a) nicht mit objektiver Sicherheit zu verwechseln sind und

b) kein Garant für eine Reproduzierbarkeit derselben in Zukunft darstellen.


⚠️In vielen Unternehmen werden aber exakt diese beiden Schlüsse aus dem Ausbleiben von Vor- und Notfällen gezogen.


Heute, nach der Havarie des Schiffs, würde rückblickend niemand mehr objektiv die zuvor durchgeführten Fahrten auf der späteren „Unglücksroute“ als sicher bewerten.


🆕Der schmale Grad zwischen Sicherheit und Unsicherheit hängt an vielen, teilweise im Vorfeld nicht in Summe zu benennenden oder im Einzelnen im Detail zu analysierenden, Einflussfaktoren.


Beispiel Brandschutz:

Kabelbrände oder technische Defekte können jederzeit auftreten, auch wenn die Bauteile den Sicherheitsanforderungen jahrelang genügten oder auf dem Papier noch als sicher bewertet werden.


Menschliches Verhalten und Personen die als Risikofaktoren gewertet werden können sind noch schwieriger als technische/physikalische Risiken einzuschätzen und zu prognostizieren.


Wichtig ist deshalb das Bewusstsein im Management und unter Sicherheitsverantwortlichen:

Es bleiben trotz aller etablierten Methoden für Risikoanalysen, auf denen Sicherheitskonzepte und Einschätzungen sowie Empfehlungen für Maßnahmen basieren, immer Risikofaktoren unerkannt oder werden falsch bewertet.


Viele in Unternehmen aktuell als sicher deklarierten Abläufe (Reisen, Veranstaltungen, Zutrittskontrollen, IT-Sicherheit, …) sind nicht tatsächlich sicher. Die Erkenntnis folgt bei den meisten jedoch erst in der Zukunft.


„Restrisiken“ können bei der Realisierung kleine oder größere Auswirkungen haben, weshalb das integrierte Notfall- und Krisenmanagement zur Abfederung eventueller Folgen für Unternehmen essentiell ist.


Restrisiken werden sich nie ganz vermeiden lassen, das Bewusstsein dass es sie gibt und zum Teil erhebliche Auswirkungen für die betrieblichen Abläufe haben können, ist der erste Schritt zu mehr Sicherheit.


✅ Zusätzliche Sicherheit bieten folgende Punkte und Vorgehensweisen:


1️⃣ Recherchequellen und deren Auswahl kritisch prüfen (u.a. auf Aktualität und Qualität). Die Planungsgrundlagen für Konzepte, wie Pläne oder Erkenntnisse aus Begehungen, bilden einen vergangenen Stand oder einen Ist-Stand ab. Nicht die Rahmenbedingungen für die zu planende Situation in der Zukunft.

Annahmen zu Sicherheitsverhältnissen sollten als solche deklariert und überprüft werden.


2️⃣ Auch bewährte Vorgehensweisen (Methoden) und Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüfen und hinterfragen (z.B. durch Anpassungen von Analysemethoden sowie Penetrationstests und Notfallübungen).


3️⃣ Sensibilisierung der Mitarbeiter und Verantwortlichen, dass weder übliche Sicherheitsroutinen noch bisherige „sichere“ Erfahrungen ein belastbarer Maßstab für die Sicherheit kommender Situationen sind.



Quellen: SZ, Focus, Lloyds List Intelligence

Bildquelle Grafik: https://gcaptain.com/not-the-first-time-infographic-shows-costa-concordia-made-a-previous-pass-even-closer/



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